Weiberverlag
Das Symbol der Weiblichkeit
ist mir im Frühjahr 2009 in einem alten Bauernhaus (ca. 100 Jahre alt) in Niederbayern zum ersten Mal begegnet. Ich folgte damals einer Einladung dieses Seminarhaus zu besuchen.
Das Symbol ist dort in einen alten Türstock auf halber Höhe links und rechts mittig eingeschnitzt und stellt eine Blüte mit sechs Blättern dar, die sich farblich abwechseln. Die Blütenblätter sind plastisch hervorgehoben, leicht überlappend und abwechselnd weiß, rot und schwarz lasiert. Es ist ein dynamisches und kraftvolles Zeichen und zeigt an, dass alles immer und überall in Bewegung und Wandlung ist. Stillstand ist der Tod und gleichzeitig der Beginn von etwas Neuem.
Von der Besitzerin des Hauses erfuhr ich beim Abschied, dass dieser Türstock ursprünglich zur Eingangstür der Austragswohnung der Großmutter im 1. Stock des Hauses gehörte und bei den Renovierungsarbeiten in den Eingangsbereich des Hauses versetzt wurde.
Großmutter, alte Frau, alte weise Frau? Meine Neugierde war geweckt und ich begab mich auf die Suche.
Es ist die Suche nach dem Wissen der „weisen Frau“, dem erdverbunden und naturnahen Wissen. Dem Wissen, das der Hexenverfolgung, also der „Verteufelung“ des alten Wissens, das Sinnbild für eine vertiefte Kenntnis der Überlieferung der Natur, zugrunde liegt. Oder wie die zigeunerischen Kräuterfrauen in den Karpathen und der östlichen Ukraine sagten:
„Dort wo für den, der es nicht versteht, Dunkelheit und Gefahr ist, findet der, der von den Alten erfahren hat, wie man es macht, Heilung und Glück auf allen seinen Wegen.“
Mag es sein, dass das Bestreben ins Licht zu gehen, in die Irre führt? Vielleicht genau wieder in den ewigen Kreislauf von Leben, Tod und Auferstehung in der gleichen Dimension?
Das wiederentdeckte Symbol der Weiblichkeit, die sechsblättrige Blüte, mit den abwechselnden Farben weiß, rot, schwarz, war für mich der Hinweis einen anderen Weg einzuschlagen. Auf einer guten Strecke des Weges, wurde diese Internetseite geboren, die meinen Weg als Tagebuch begleitet und sich mit mir weiter verändern wird. Wem dieser Weg zusagt, der sich nicht der einfachste ist, kann mich gerne begleiten. Das Reiseziel ist der eigene Urzustand, wie auch immer er sein mag.
Bianka Schultheis
Das Internet und andere gute Quellen brachten dann noch folgende Erklärungsversuche zur Symbolik:
Die Farben der Erdmutter
Im keltischen Wirkungsbereich wurde die große Göttin, die Erdmutter, in der Dreiheit verehrt. Es sind drei Formen die auch drei Lebensabschnitte und Archetypen der Frau darstellen.
Das junge Mädchen .. weiß ....... Himmel, die oberste lichte Region
Die reife Frau ........... rot ......... Land und Meer, die Welt der Menschen
Die weise Alte ....... schwarz ...... Unterwelt mit den Kräften des Todes und der
Wiederkehr
Bei den alten Germanen gab es das Matriarchat von dem das Leben unserer Vorfahren in allen Bereichen durchdrungen war und dem eine gewaltlosere und sanftere Philosophie zu Grunde lag, als es in der christlich-römischen Religion der Fall ist.
Diese mystische Farbenkombination findet sich auch in zahlreichen Sagen, Märchen und Bräuchen unseres Raumes wieder, z.B. bei Schneewittchen. Auch zahlreiche Reliefs und Figuren in katholischen Kirchen weisen auf eine germanisch/keltische Erdmutter hin, werden jedoch christlich (männlich) interpretiert.
Auch im Monatszyklus der Frau finden wir die drei Farben wieder:
den Aufbau der Schleimhaut (weiß), die Fülle des Blutes (rot) und das Ende der körperlichen Fruchtbarkeit (schwarz)
Die Alte braucht sich nicht mehr anzupassen, braucht nicht mehr zu gefallen. Sie kann dasitzen und zuschauen und wenn sie Lust hat, spricht sie. Die Alte kämpft nicht, SIE IST.
Die Erdmutter entspricht dem Allumfassenden. Sie vereint alle Gegensätze in sich: männlich und weiblich, Schöpfung und Zerstörung. Leben und Tod wird als gleichgewichtig anerkannt um die Ordnung des Universums aufrecht zu erhalten.


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